Die Tejita Story oder

Geld Tötet Kreativität

 

 

Man ist die Summe seiner Erfahrungen. Meist sind es die Fehlschläge, die zum lernen anregen. (Andre Sicking CEO Tejita)

Das ist die wahre Geschichte Tejita.

 

 

Aufgewachsen bin ich im beschaulichen Münsterland, in einem 1500 Seelen Kaff. Keine Ampel, kein Zebrastreifen, dafür aber mehr Trecker und Mähdrescher als Autos.

Beschaulich, bieder und beängstigend. Aber als Kinder haben wir es genossen. Nach der Schule konnten wir raus und ohne Elternteil machen was wir wollten. Und das haben wir auch!

Bei Sonnenuntergang gings nach hause. Meist sahen wir aus, als kämen wir direkt aus der Güllegrube. Das war das Jahr 1979. Scheiße wurde es erst 1980, da wurde ich eingeschult. Mit Schultüte und Foto. Wegen herausragender Leistungen wurde ich 4 Wochen später wieder entlassen. 1981 wurde ich dann nochmal eingeschult, wieder Tüte und Foto. Dieses still sitzen und zuhören war nicht so mein Ding, also habe ich mich in Tagträume gerettet. Typischer Bildungsverlierer, aus bürgerlichem Hause. Da in der Schule die Bildungsausbeute recht gering war, musste ich halt „Strassenschlau“ werden. Beobachten, kombinieren und ausprobieren. Wichtigen Leuten zuhören und

immer die richtigen Fragen stellen. Um Strassenschlau zu werden, wird man viele Fehler machen. Jeder gemachte Fehler führt irgendwann zum Erfolg. Die, die nie Fehler machen, machen meist eh nicht viel. Ich wollte, seit ich denken kann, Unternehmer sein. Schauen wir mal, was die Spielwiese des Lebens zu bieten hat!

 

Da war sie, meine erste Geschäftsidee, im zarten Alter von 8 - Regenwurmzucht! Damit wollte ich Geld verdienen. Hab mir Fässer aus Kunststoff besorgt. Die Fässer habe ich dann gefüllt, mit Mutterboden, Kaffeeprütt und

Kaninchenscheiße. Wenig Input, maximaler Output. 1 Jahr später habe ich die Regenwürmer Tüten weise an Lehrer und Bekannte verkauft. Tüte Würmer 5 Mark und der Kompost freut sich über bessere Bodenkultur durch die Würmer. Kreislauf war geschlossen und die Natur dankt auch.

Als es dann lief, verlor ich so schnell das Interesse daran, wie es gekommen war.

Australien 1991

 

 

Im Alter von ca. 10 Jahren, war ich schulisch immer noch ein Vollpfosten. Aber ich wusste, wenn du Pillewürmer in Tüten verkaufen kannst, dann spielen Schulnoten nur noch eine untergeordnete Rolle.

Ich verkaufe immer nur Produkte, die ich selber tragen würde oder benutze und von denen ich begeistert bin.

Die Idee: Vogelzucht. Mein erstes Paar waren Heidi und Peter. Zwei handzahme Wellensittiche,

die anfingen Junge zu bekommen. Als die Jungen, 8 an der Zahl flügge wurden, habe ich sie für 8 Mark verkauft. 8 x 8 DM = 64 DM, abzüglich 12 DM Futter und 10 DM sonstige Kosten. Es sind also 42 D Mark übergeblieben. 1 Jahr später hatte ich eine Freiflugvoliere mit 30 Paar Wellensittichen.

Dazu helle und großzügige Fluggehege im Keller meiner Eltern. Input: 25 kg Futter, 5 Kilo Grünfutter im Monat und 50 Mark an sonstigen Kosten. Alles zusammen ca. 80 Mark an Kosten. Ging natürlich nur, weil ich für den Keller meiner Eltern nichts zahlen musste. Dafür möchte Ich mich hier bedanken! Output: Je nach Saison, hatte ich im Monat so 30 junge Wellensittiche, die ich für 10 Mark das Stück verkauft habe. Also 300 Mark, abzüglich der 80 Mark, sind 220 Gewinn. Da war ich 11.

Es ist halt aber auch echt Arbeit! Heute würde ich so ein Business nie anfangen. Bei den meisten Käufern ist man sich ja nicht sicher, ob der Vogel auch ein schönes Leben hat. Auto Schrott

 

Schulisch unverändert, unterirdisch. Sport und Bio- gut, Rest gepennt.

 

Mit erfolglosem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, und der darauffolgenden Lehre als Gas- Wasser- Scheiße Installateur einer kleinen Klempnerei eines Nachbarorts. Die Lehre habe ich dann auch nach 3,5 Jahren erfolgreich abgeschlossen. Schule, dann Lehre - ich denke, das Problem an solchen Institutionen ist, die machen Angestellte und Arbeiter, aber keine frei denkenden Unternehmer und Menschen. Freies Denken wird in der schule bestraft und deshalb verlernt man sehr schnell zu spielen. Und Spielen ist im Privatleben und der Geschäftswelt wichtig.

 

Die große weite Welt. Mit 19, das war 1993, gings in den Flieger Richtung Australien, für 6 Monate.

Ohne nennenswerte Englischkenntnisse oder vorher jemals mein 1500 Seelen Kaff richtig verlassen zu haben. Angst und Neugier waren geweckt. Wäre wohl zu viel, um alles zu erzählen, was passiert ist, deshalb gebe ich nur Stichworte. In 3 Monaten Englisch gelernt, Partys, Mädels, 25 000 Kilometer durch Australien getrampt, gezeltet, viele nette Leute, wenige Arschlöcher, Life Flow, neue Kulturen und Ideen entdecken, lernen, Toleranz und Respekt und noch tausend andere Dinge. Der sechsmonatige Abenteuer Trip hatte mein Leben verändert. Die Selbstzweifel waren weg: „kann ich das??“ Die Selbstzweifel kommen von der Schulzeit, wo genau das unterrichtet wurde, was mich nicht besonders interessierte

Wenn du immer hörst, das du das nicht kannst, glaubst du es irgendwann selber. Nach dem Trip habe ich nicht mehr die Fehler gesehen, sondern die Möglichkeit so zu leben, wie und wo du Bock hast.

Ich glaube, das es vielen Menschen gut tun würde, zu reisen. Das Zauberwort heißt „Slow Travelling“. Am effektivsten ist es, alleine zu reisen, ohne Zeitstress. Nehmt statt dem Flugzeug die Bahn. Nach einiger Zeit kommt man in einen Life Flow. Man weiß den Tag nicht mal mehr die Uhrzeit. Man fühlt sich aber beschwingt und voller neuer, verrückter Ideen. Als hätte Jemand einen Reset Knopf gedrückt.

 

Hier noch in Stichpunkten von 1994 bis 2003.

 

Bis 2003 war ich 3 mal 6 Monate auf Reisen. Das bildet.

 

18 Monate Zivildienst als Rettungssanitäter auf einem Rettungswagen. ( Bei der Verweigerung vom Wehrdienst gibt man an, das man kein Blut sehen kann, dann als Sanitäter steht man Knietief drin.)

 

4 Jahre Food - und Reisefotograf für ein Fotostudio

 

4 Monate Animateur auf Ibiza

 

2 Jahre Firma Steelworks, Edelstahl Kunst und Design, (Thomas R. - der Edelstahlpabst ist mein bester Kumpel)

 

1 Jahr Werbeagentur, Layouts und Logos

 

2 gescheiterte Beziehungen

 

5 Monate Island, auf einem BauernGeburt eines Kalbes, Islandhof Kühe melken und nebenbei noch einen Kuhstall für 70 Kühe gebauFriedhof auf Islandt. Im Winter auf Island ist jetzt nicht so spannend. 22 Stunden dunkel, Glückwunsch. Jeden Tag nur Euter vom Melken vor den Augen war auch nicht Meins. Hab viel über die beschissenen Lebensbedingungen einer solchen Milchkuh gesehen. Jedes Jahr Schwanger und nach der Geburt werden die nach dem Ablecken direkt von den Kälbern getrennt. Die Kühe rufen Tagelang nach dem Kalb. Warum nicht 50 cent pro Liter mehr zahlen?! Dafür hat die Kuh schon mal den Himmel gesehen und steht auf einer fetten Wiese!

 

 

Am 27. November 2003 habe ich Nina in einer verrauchten Münsteraner Eckkneipe kennengelernt. Vielmehr Nina und ich hatten unser erstes Date. Nina war leider 2 Stunden zu spät. Das wird sich auf die darauf folgenden 11 Jahre auch nicht ändern. Ich wartete in der Kneipe, und hab mich quasi vor lauter Langeweile mit einem schwulen Pärchen besoffen. Als Nina dann eintraf, waren ich und meine Homo Kumpels schon hacke. Ich dachte mir, das wars jetzt mit Nina, die kannst du dir abschminken! Weit gefehlt! Nina konterte mit 4 Caipirinha in 1,5 stunden. Am Ende des Abends hatten wir alkoholtechnisch Gleichstand. Seitdem sind wir ein Paar.

 

 

Sommer 2004.

Wir leben 6 Monate in Rodenkirchen am Rhein. Auf einem Campingplatz und im Wohnwagen, um in einem Biergarten (Stadtgarten) zu arbeiten. Meine erste Kellner Erfahrung gemacht und für echt hart befunden. Tagsüber 10 stunden Keulen und abends mit den Kollegen durch die Clubs bis um 4.
Und Nina steht dem da in nichts nach!Campingplatz Rodenkirchen

 

Winter 2004/2005 St. Anton Österreich 4 Sterne Hotel.

Wieder mal eine glorreiche Idee, schnell, fett Kohle zu verdienen. Als unqualifizierter Wanderarbeiter ohne österreichischen Akzent ist hart. Die finden Piefkes zum kotzen. Nur die Holländer und die Russen mögen sie weniger. Unser Hotel in dem wir arbeiteten, war auf 1800 m mitten auf so einem Berg. Ich habe die Schneebar (draußen) und abends die Abendbar im Restaurant gemacht. Nina war Springer, die hat alles gemacht. Jeden Tag den Job von Jemand anders. Ich hatte keine Ahnung von Bar oder vom Snowboarden. Nach 4 Monaten, täglich in der Bar und 3 Stunden Snowboarden, wurde ich bei beiden recht gut. Andauernd haben uns Freunde besucht, die bei uns im Personalzimmer gewohnt haben,teilweise 6 Leute + uns.

 

 

 

Die Jahre plätschern so ins Land und wir wohnen in Kiel. Nina hat 7 verschiedene Jobs. 4 verschiedene Kellnerstellen, 2 Yogakurse in 2 verschiedenen Centern, einen Pilateskurs für die Krankenkassen. Ich habe derweil Märkte gemacht und Kunsthandwerk verkauft. Gute Produkte

zu finden, war echt schwierig. Ich wollte Handgemachte, fair gehandelte, coole Sachen in Top Qualität. Oft waren die Produkte Handgemacht aber komplett uncool. Nach einem Jahr Suche nach geeigneten Produkten wollte ich schon aufgeben, als Pieter aus Holland in mein Leben trat. Es goss Stiefmütterchen in Gießharz und machte Schmuck daraus. Damals schon hatte er in seiner Werkstatt in Holland 7 Angestellte, die Blumen trockneten und es mit Epoxidharz überzogen. Die Unmengen an plastifizierten Stiefmütterchen wurden fast komplett weltweit an Läden exportiert.

Dann habe ich Pieters Produkte auf Messen verkauft, mit recht großem Erfolg. Seine Handgemachten Produkte passten genau in meine Vorstellungen: cool, jedes ein Unikat, top Qualität und Fair gehandelt. Pieter wurde mein Mentor, ohne es zu wissen. Ich fing an, in unserem Wintergarten in Kiel die ersten Gegenstände einzuharzen. Das war im Jahr 2006. Das waren die ersten Gehversuche, Tejita bekam ein Herz. Ich experimentierte Jahre und das mache ich heute noch. Neue Materialien, neue Ideen und verschiedene Designs. Nach so ca. 6 Monaten rum experimentieren habe ich meine Produkte mit auf meine Messen und Märkte genommen und verkauft. Leider waren meine eingegossenen Objekte nicht der Verkaufsknaller. Es hat nochmal fast ein Jahr gedauert, bis mein Gießharz -Schmuck richtig lief. Ich habe in dem Jahr die Qualität nochmal

verbessert und die Modelle so gestaltet, das sie auch Käufer fanden. Als es dann mit einer Angestellten in der Werkstatt und auf den Wochenend-Märkten richtig gut lief in Kiel, wanderten wir nach Teneriffa aus.

 

Wir wollten schon immer dort leben, wo es warm ist, am Meer und wo man gute Freunde hat. Also stand uns die Welt offen. Wir werden so oft gefragt wie man erfolgreich auswandert im Schweinsgalopp, Zwillinge bekommt und dann noch eine Firma aufbaut. Unsere Antwort: mache einen Lebensplan ! Das war unser Ansporn und Motivation alles zu erreichen. Erstmal haben wir uns in Kiel überlegt, was wir im Leben erreichen wollen und was unsere gemeinsamen Ziele sind. So ein Lebensplan kann schon ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Das schöne ist dann im nach hinein, man weiß wo die gemeinsame Reise hingeht und warum man etwas macht! Das Warum ist wichtig, denn ohne Ziel läuft man ja gar nicht erst los.

Dann haben wir unseren Lebensplan auf große A0 Bögen gemalt. Es sah aus wie eine Schatzkarte,

mit Start 2008 und Ziel 2015. Auf der überdimensionalen Schatzkarte gab es viele kleine Zwischenstationen mit Datum und einem Bild unseres Traums. Die Bilder haben wir aus dem Internet ausgedruckt oder aus Magazinen ausgeschnitten und auf unseren Lebensplan aufgeklebt. Da stand dann: “ Auswandern dort, wo es warm ist und man Freunde hat 2009, Zwillinge (kein Scherz) 2010, Schmuckladen mit am Strand 2013, eigenes Haus 2015“ und viele andere Stationen. Den Lebensplan haben wir dann in Kiel ins Wohnzimmer gehängt und jeden Morgen, 5 Minuten mit einem Kaffee in der Hand drauf geschaut. Autosuggestion heißt das im Fachjargon. Du suggerierst deinem Unterbewusstsein, das du das erreichen willst. Nach 3 Monaten morgendlichem Draufschauen, kamen die ersten Ergebnisse. Man informiert sich über das Auswandern, plant und macht. Das Unterbewusstsein hat die Kontrolle für dein Leben übernommen. Jetzt 2015, 7 Jahre später haben wir wirklich alles auf dem Lebensplan erreicht!!! Es Klappt! Sogar der Wunsch mit den Zwillingen hat funktioniert.

 

Der Auswanderung 2009 stand also nichts mehr im Wege. Schmuckwerkstatt in Kiel ausgeräumt, Wohnung gekündigt, Kisten gepackt. Alles in unseren VW Bus, samt Hilde unserem Labrador und Richtung Spanien. Wir haben uns nach einigem Hin und Her für Teneriffa auf den Kanaren entschieden. Warum gerade Teneriffa? Ninas Tante hatte dort eine Wohnung, wo wir die ersten 3 Monate Mietfrei wohnen konnten.

Auf dem Weg nach Cadiz (Spanien Festland) wo unsere Fähre nach Teneriffa ablegte, haben wir uns 3 Wochen Zeit gelassen. Der Weg ist das Ziel!

In Frankreich war Nina morgens oft schlecht. Ein Schwangerschaftstest brachte die Gewissheit, er war „Positiv“.

Auf Teneriffa angekommen, wollten wir unsere Pläne verfolgen und meinen Schmuck auf Märkten verkaufen. Unsere Pläne waren komplett was für den Ar.... Wir sind nicht auf die Märkte gekommen. Die wollten uns einfach nicht! Und im Nachhinein auch gut so, denn die Märkte waren eine Katastrophe. Horden von dickbäuchigen, stillosen Deutschen und Engländern die auf den Märkten nur Billigprodukte kauften. Also nichts für uns! Eine neue Idee musste schnell her da wir nur 6000 € Startkapital hatten. Die neue Idee, Shop in Shop. Ich suchte Läden, die eine gute Lage hatten und viel Kundschaft, meist Indische Ramschläden die von überteuerten Kameras bis Flummis alles hatten. Dort bauten wir direkt im Laden einen kleinen Schmuckstand mit meinem Kunsthandwerk auf. Leider wollten die Inder für 2 qm eine Monatsmiete von 1200€ und ich musste

10 Stunden, 6 Tage die Woche vor Ort sein, um zu verkaufen. Aber trotz der Umstände klappte es und ich machte Gewinn. Vier Wochen später eröffneten wir einen zweiten Stand in einem Laden. Alles Illegal! Trotzdem machten wir manchmal mehr Kohle mit den 2qm, als der Inder mit seinem ganzen Laden. Das hat die völlig angepisst! Jeden Monat haben sie versucht, die Miete zu erhöhen. Nina verkaufte in dem einem Laden in Las Americas, ich in dem anderen in Torviscas. Zeitgleich wuchs auch Ninas Bauch. Mittlerweile wussten wir, das es Zwillinge werden. Grosse Freude, aber auch Angst! Schaffen wir das? Am 8. Mai 2009 wurden unsere Kinder, 6 Wochen zu früh und mit je 2200 Gramm im Hospital auf Teneriffa geboren. Es war ein Kaiserschnitt, erst 20 Stunden später konnten wir unsere Kinder in den Händen halten. Die Erklärung der Schwester, es war Wochenende und kein Arzt konnte die Kinder untersuchen. Deshalb die Wartezeit von 20 Stunden!! In Deutschland unmöglich. Hier auf den Kanaren sind die Mediziner dermaßen schlecht ausgebildet und arrogant, das es für Nordeuropäer eine Zumutung ist. In den 20 Stunden wussten wir nicht, ob die Kinder gesund sind oder Sonstiges. Nina wollte die Kinder stillen, funktionierte aber nicht, da die Krankenhausmafia die Kinder schon mit Fläschchen gefüttert hatten. In der selben Nacht bin ich mit einem Freund nach Hause gefahren und habe erst mal die Kinderbetten aufgebaut. War ja noch nichts fertig, da 6 Wochen zu früh. Die Kinder waren 2 Tage alt, mit abnehmenden Gewicht, wurde Nina mit den Kids Bosse und Pepe entlassen. Ich parkte gerade unser Auto auf dem Krankenhausparkplatz, als Nina anrief: „ Hast du die Kindersitze im Auto, wir werden aus Mengeles Hospiz entlassen“. Natürlich hatte ich die Kindersitze nicht im Auto. Also packten wir die Kinder in den Fußraum des Beifahrers und fuhren sehr vorsichtig nach Hause. Von Kindern hatten wir keine Ahnung, auch kein Buch gelesen wie so was geht. Wir hatten aber eine gute Hebamme, die uns super geholfen hat. Nach den ganzen Anfangsschwierigkeiten lief alles rund. Wir genossen unsere Kinder und meist recht stressfrei. Nina ist noch bis Frühjahr 2015 immer mit den Kindern zwischen Deutschland und Spanien gependelt, da Sie in Deutschland noch eine Wohnung hatte. Wir wollten Bosse und Pepe beide Welten nahe bringen.

 

Die Kinder waren mittlerweile 6 Monate alt und ich stand immer noch 70 Stunden die Woche in dem Indischen Kramladen und verkaufte meine handgefertigten Produkte. Das konnte es nicht sein, Frust machte sich breit. Stillstand ist für mich das Schlimmste! Und ich hatte ja auf dem Lebensplan noch andere Projekte. Also ging ich zum Inder und teilte ihm mit, das ich aufhöre in seinem Kackladen. Einen neuen Plan hatte ich noch nicht, dachte aber „ wenn du den Krieg gewinnen willst, verbrenne alle Schiffe“ (Napoleon). So war es auch! Innerhalb einer Woche hatte ich ein neues Produkt gefunden, mit diesem Produkt einen Marktstand bekommen und super verkauft. An manchen Markttagen in 4 Stunden bis zu 800 € gemacht. Der „Schiffe verbrennen Plan“ ging auf.

Jetzt konnte ich nach diesem Umweg wieder an meinem Ziel arbeiten. Einen Laden, mit coolen Kunsthandwerkprodukten am Strand aufzumachen. Das meiste Geld von den Märkten investierte ich in meine Werkstatt und den Aufbau von Tejita. Über ein Jahr harter Arbeit und meine Gießharz Schmuckstücke sahen echt geil aus. Am Anfang hatte ich Probleme mit den Luftblasen im Gießharz, dann hielten die Verschlüsse nicht und so weiter. Beharrlichkeit zahlt sich aus. Jetzt hatte ich ein Produkt aber noch zu wenig Käufer. Ich investierte wieder tausende von Euro und 5 Monate um einen Onlineshop mit meinen Produkten zu bauen. Es kommt alles zusammen, was vorher keinen Sinn machte. Wasser, Gas und Scheiße gelernt, deshalb Handwerklich geschickt.Habe früher 4 Jahre als Fotograf gearbeitet und konnte deshalb alle meine Bilder für den Onlineshop selber schießen und ich konnte alle Bilder bearbeiten und Layouten durch die Arbeit in einer Werbeagentur als ich 27 Jahre alt war. Das Kaufmännische hatte ich von den Indern im Kramladen gelernt, die was Geschäfte angeht, sehr geschickt sind.

Als ich den Onlineshop fertig hatte, kamen aber kaum Besucher auf die Seite, trotz geiler Fotos und einem schönem Design. Ich versuchte alles, um die Seite im Netz bekannt zu machen, aber Erfolg blieb aus, das war 2011. Ein gemietetes Haus, 2 Kinder und einen Angestellten in der Werkstatt und fast kein Einkommen. Zu dieser Zeit produzierten wir unseren Schmuck noch in unserer Doppelgarage, mit meinem Angestellten Jörg. Ich fing an, Läden zu beliefern und es wuchs stetig an, heute beliefer ich mit meiner Firma Tejita 40 Läden weltweit. Alles fing in der dunklen Garage an. Apple und Microsoft fingen genauso an. Deshalb fand ich das kein schlechtes Omen

Da das Entwickeln von neuen Produkten mir totale Freude bereitete, machte ich weiter und nach 3 Monaten hatte ich Lederarmbänder mit Wechsel Steinen konstruiert und dann gebaut. Warum 3 Monate Entwicklungsarbeit für Armbänder? Erst mal muss man sich überlegen, gibt es dafür einen Markt? Wo bekomme ich gutes Leder und Verschlüsse? Mit welchem Design kann ich mich vom Massenmarkt abheben und dann muss man testen, ob das Produkt auch hält und nicht seine Farbe verliert. Wenn das alles gegeben ist, kann man anfangen, einige zu bauen. Der nächste Schritt ist dann ein Testballon, wollen deine Kunden deine neue Kreation?

2013 begann ich erstmals auf Bestellung meiner Kunden, ihre Kinderzähne, Hundekrallen, Muscheln etc. einzuharzen, um daraus Schmuck zu machen. Erfahrungen im Einharzen waren ja mehr als genug vorhanden. Das war das, was ich am liebsten tat und es bereitete mir die größte Freude. Denn die Kunden bekommen ihr Schmuckstück mit Ihrer Geschichte darin. Ich bekomme sehr viele Mails oder Anrufe und meine Kunden bedanken sich für ihr individuelles Stück. Das bereitet einem natürlich Spaß, das deine Erfindung anderen Menschen gefällt. Im gleichen Jahr machte ich mich immer noch in der Doppelgarage daran, Gürtel zu entwerfen und dort zu produzieren. Jetzt hatte ich fast das, was ich schon seit 2008 auf meinem Lebensplan stehen hatte. Coole, handgemachte Produkte, die fair produziert werden. Jeder Angestellte der Firma Tejita hat hier auf Teneriffa einen Stundenlohn von 8 Euro und flexible Arbeitszeiten. So was gibt es auf den Kanaren fast nicht. Hier bekommen die Arbeitnehmer meist 4,50 € und müssen, um monatlich 900 € netto zu verdienen, 45 Stunden die Woche arbeiten. Nicht bei mir! Arbeitsklima und gerechte Entlohnung ist in meinen Augen super wichtig, für eine gut funktionierende Firma.

Dennoch war unser Garagenarbeitsplatz nicht so geil, da wir immer unter Kunstlicht arbeiten mussten. Das Garagentor war immer geschlossen, das die Nachbarn es nicht mitbekamen, was in der Garage passierte. Wir arbeiteten wie unter Tage. Auch mein Marketing war unterirdisch, fast nicht wahrzunehmen. Und ich wollte ja irgendwann einen Laden am Strand. Ein Freund sagte mir, eines Tages du brauchst Guerillamarketing. Fast keinen finanziellen Aufwand, aber großen Erfolg. Einfach mal Marketing anders machen, als alle Anderen. Nina und ich überlegten tagelang, was man machen konnte. Dann die Idee: „ Wir schreiben Bewerbungen ans Fernsehen und versuchen so, uns und unsere Produkte zu promoten“. Das beste Format dachten wir, ist Goodbye Deutschland, die Auswanderer auf Vox. Da wir selber seit 6 Jahren keinen Fernseher mehr besitzen, mussten wir es ja selbst nicht schauen. Nach 7 Tagen Arbeit, hatten wir ein schickes Bewerbungsschreiben mit einem Film unserer Familie gemacht und zu Vox geschickt. Und siehe da, wir wurden doch prompt genommen. Die Filmcrew kam im Oktober 2013 an und filmte, wie Cesar (ein neuer Angestellter) und ich in unserer Garage den Schmuck und die Gürtel machten. Das ist purer Stress, wenn man den ganzen Tag von einer Filmcrew verfolgt wird. Nasepopeln, fluchen und Streit mit Nina war während der 5 Drehtage tabu.

Das Hauptthema war aber, mein Traum des eigenen Ladens am Strand. Die Kameras verfolgten mich bei der Suche eines geeigneten Ladens, den ich auch prompt fand. Hier in El Medano, meiner Heimatstadt, 100 qm groß für 520 € Miete, perfekt! Ich wollte ja die Werkstatt mit in den Laden integrieren, so das die Kunden direkt sehen können, wie es produziert wird. Innerhalb von nur 9 Tagen hatten wir den kompletten Laden eingerichtet. Wir haben nächtelang geackert, um den „ Tejita Shop“ fertigzustellen. Die meisten Materialien waren günstigst organisiert. Europaletten aus Industriegebieten, altes Sofa vom Sperrmüll, Palmwedel und ein altes Boot für die Eingangstür. Wir hatten für die Fertigstellung des Ladens nur 6000 € zur Verfügung. Das ist nichts, wenn man bedenkt, das man eine Werkstatt und einen ganzen Verkaufsladen einrichten muss. Hat aber wieder alles geklappt, man muss nur wollen und viele Freunde haben, die mit anpacken. Danke allen Helfern!

Am 19. Dezember kam die Ausstrahlung auf Vox. Da wir ja keinen Fernseher besitzen,

haben wir mit 30 Freunden in dem Cafe Flashpoint in El Medano geschaut. Was ein Spaß, es war ja möglich, das Vox es so schneidet, das wir als komplette Loser da stehen.War aber Gott sei Dank nicht so. In der gleichen Nacht bekam ich unzählige Nachrichten, das unser Onlineshop nicht zu erreichen war. War auch so! Habe dann in der gleichen Nacht bei meinem Deutschen Provider angerufen, um zu fragen was da los war. Der Server ist ausgefallen, da die vielen Besucher dem Server das Licht ausgeknipst hat. Es waren 280000 Besucher innerhalb von 10 Minuten auf dem Server. Der Mitarbeiter des Hosting Dienstes hat es so erklärt: „ Stellen Sie sich vor, Sie Mieten einem Kleinwagen für 3 Tage bei Europcar und fahren in den 3 Tagen von Deutschland nach Australien! Das haben Sie mit unserem Server gemacht“.

Nächsten Morgen war ich mächtig verkatert um 8 in meinem Laden. Mit mir, meine 3 Angestellten Cesar, Frederike und Francesco. Ich öffnete meinen E Mail Account und nicht eine E Mail? Bis dahin wusste ich noch nicht, das Server wegen ständiger Überlastung immer noch nicht funktionierte. Die Facebook Seite unserer Firma hatte aber über Nacht 1000 Freunde mehr.

Keine 20 Minuten später überlegte sich dann auch der Server, wieder aus seinem Arbeitsstreik zu treten. Allein in den ersten 2 Stunden hatten wir recht viele Bestellungen. Das ging 2 Tage so weiter! 5 Tage später kam dann noch eine Wiederholung. Wieder das gleiche, Server hatte kein Bock mehr und streikte wiederum 12 Stunden. Gut das er ausgefallen ist!! Wir müssen ja auch alles bauen und wir hätten es nicht mehr geschafft.

Es lief ja alles nach Plan! Leider steckt der Teufel immer im Detail. Ich wusste jetzt, wie man ein Produkt entwickelt und verkauft, aber noch nicht, wie man Mitarbeiter motiviert und führt. Das musste ich dann auch noch schmerzlich lernen. Einen musste ich entlassen, da er handwerklich komplett Talentfrei war, da unsere Produkte sehr filigran und nicht einfach zu bauen sind. Es sind ja alles Unikate, jedes ein kleines Kunstwerk. Der andere hatte mich beklaut und ab und zu seine Hände in der Kasse. Gelegenheit macht Diebe! Also musste ich Ersatz finden. Bis ein Mitarbeiter alle Produktionsschritte gut kann, muss man ihn fast ein Jahr ausbilden. Aber solche Probleme hat man als Selbständiger immer! Das hört nie auf. Jede Woche ein neues Problem! Fluch und Segen, es wird nie langweilig. Seien wir mal ehrlich, ist doch alles nur ein Spiel. Setzt man in dem Spiel auf das falsche Pferd, ist man pleite. Fast 70 % aller gegründeten Firmen gehen im ersten Jahr pleite. Ihnen fehlt die Zeit, aus den Fehlern zu lernen. Und manchmal wollen die Unternehmer aus purer Arroganz nicht lernen, dann ist die Insolvenz vorprogrammiert. Ich verstehe nicht, warum so viele erst mal so groß anfangen müssen. Oft ist es sinnvoller, erst mal im Kleinen auszuprobieren ob das, was ich machen möchte überhaupt funktioniert. Ich denke, die meisten Businesspläne die bei Banken oder Investoren eingereicht werden, sind meist komplett bescheuert. Denn wenn sich ein Unternehmen entwickelt, ist oft nicht die erste Idee erfolgreich, sondern eine ganz andere. Die andere

Idee, die erfolgreich wird, entsteht oft durch Zufall oder Weiterentwicklungen des alten Geschäftsmodells. Mache deine Kunden glücklich, dann machen Sie dich glücklich.

 

Jetzt 2015 wurde nochmal eine Folge „ Goodbye Deutschland -die Auswanderer“ mit uns gedreht und gesendet.

Es steht ein Interview im ZDF „ Fernsehgarten on Tour“ an und Vox hat sich für April angekündigt, um nochmals 60 Minuten mit „ Meiner Firma Tejita und unserer Familie“ zu drehen. Nina hat sich im Frühjahr entschieden, mit meinen Kindern Bosse und Pepe, hier auf Teneriffa permanent zu leben. Wir sind auf der Suche nach einem Haus, das wir kaufen wollen.

Mein nächstes Ziel: „ Ein Guesthouse mit großem Grundstück“ . Die Idee: Familien zu zeigen, wie Ökologisches Gärtnern geht. Das heißt, Permakultur mit Hühnern, Schweinen, einem riesen Garten und Frucht und Nusswäldern – so, dass man als Selbstversorger leben kann. Die Gäste übernachten in Guesthäusern und rundherum satte Natur, ohne Pestizide oder chemischen Dünger. Die Gäste können sich jederzeit im Garten bedienen. Einmal die Woche Lagerfeuer, Gitarre und Bierchen.

Das Wichtigste aber: „ Erstmal einen neuen Lebensplan erstellen“!

Falls Ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt mir unter: Info@Tejita.com

Euer Andrè