Die Idee solcher Reisen hatten wir schon bevor wir überhaupt Kinder hatten. Wir sind Beide unabhängig voneinander viel mit dem Auto kreuz und quer durch die Welt gereist und haben die besten Erlebnisse auf solchen Touren gehabt. Also war eine Gemeinsamkeit in unserer Kennenlernphase unsere Einstellung zu solchen Urlauben.

Na, als wir dann die Zwillinge bekamen waren wir uns einig mit spätestens drei Jahren beginnen wir mit solchen Reisen durch Europa. Leider ist das natürlich auch immer eine Frage des Geldes und das sah bei uns immer eher Mau aus. Wir hatten nur einen kleinen Peugeot und damit ist eine solche Reise schon eher anstrengend, allerdings war ich schon fast soweit es damit zu versuchen. Wäre hart geworden, stellte ich am 2. Tag unserer Reise mit dem super Van fest.

Doch wie der Zufall so wollte verkaufte ein Freund von uns seinen Multivan!!! Ich war begeistert; er wollte nur 2200 Euro haben. Zu Hause erzählte ich Andre „den Wagen werde ich kaufen und dann können wir im Juni für einen Monat losfahren, unser erster langer Trip mit den Kids“. Doch leider hielt sich die Begeisterung von Andre in Grenzen, er wollte „die Karre“ auf keinen Fall haben. Tja, und eine Woche später war der Wagen schon verkauft! Ich war echt sauer auf mich selber, einmal das Andre mich belabern konnte und zweitens, dass ich ihn dann zu spät soweit überzeugt hatte, dass er nicht mehr abgeneigt war. Doch, kaum zu glauben,…durch eine glückliche Fügung konnte die Dame den Wagen doch nicht zahlen und hat ihn zurückgegeben und dann habe ich direkt zugeschlagen. Wir sind jetzt glückliche Besitzer eines Ford Transit Modell Istanbul!!!

Wir buchten sofort Tickets für die Fähre von Santa Cruz de Tenerife nach Huelva in Andalusien (Festland Spanien). Doch da fingen die nächsten Probleme an. Die scheiß Papiere der Karre stimmten nicht . Der Wagen war offiziell 3 cm zu hoch, um die billigeren Tickets zu bekommen. Ich habe eigenhändig mit so einem verfickten Zollstock die Höhe nachgemessen und jeder der zu Besuch kam durfte auch nochmal ran... er war nur 1,98 m hoch…also eigentlich nicht zu hoch!!! Also habe ich einfach die billigeren Tickets per Internet bestellt und bin schon vorsichtshalber eine Woche vor Abfahrt zum Hafen gefahren um mit gefälschten, kopierten Papieren zu versuchen das richtige Ticket zu bekommen. Ich habe natürlich extra die Kinder mitgenommen, die schön Alarm geschlagen haben damit die Dame hinterm Schalter sich bloß nicht zu lange mit meinen Papieren beschäftigte. Es hatte geklappt! !!! Hurra! Jetzt nur noch packen und dann konnte es losgehen.

Endlich, der Tag war gekommen, 30. Mai 2012!!! Total angenervt vom ganzen Gepacke saßen wir endlich alle im Auto. Der Transit Baujahr 98 war bis obenhin vollgepackt, unser eingebautes Bett konnte man vor lauter Koffern, Bettdecken und tausend Tüten nicht mehr sehen. Na, wir machten dem Ruf des Wagens alle Ehre!!! Hilde, unser Hund hat sich auch schnell nochmal überlegt, an dem Tag der Abreise ihre heiße Zeit zu beginnen und bevor wir losfuhren klebten schon die Nachbarsrüden an unserem Auto und markierten die Reifen!!! Na, das konnte ja was werden!!!

Pünktlich kamen wir in Santa Cruz am Hafen an. Die Kinder waren ganz entspannt, die Kontrolleure haben sich nur kurz die Tickets angeguckt und uns dann in die Warteschlange eingewiesen. N003-Bild_020a , das klappte ja schon mal super! Hatte ja doch ein wenig Bammel, dass sie eventuell noch einmal die richtigen Fahrzeugpapiere sehen wollten! Aber neee, Glück gehabt!!! Jetzt nur noch 1,5 Stunden warten bis wir auf die Fähre können und dann kann der Urlaub losgehen! Ich konnte mich ab jetzt entspannen, dachte ich!!! Aber…die Wartezeit war dann ganz schön lang, vor allem liefen dauernd die Security und Polizisten um dich herum und alle drei Minuten fragte ein anderer, ob man etwas zu verzollen hat. Ich dachte mir nichts dabei, hatte ja nichts zu befürchten, doch Andre wurde von Minute zu Minute nervöser. Na, da wurde mir auch klar, warum ich nicht von seiner Seite weichen sollte (noch nicht mal pinkeln gehen durfte ich)… was er wohl dabei hatte!!! Aber wir sahen so seriös aus, dass keiner wirklich daran interessiert war, unser Auto auseinander zu nehmen. Unsere Nachbarn (vor hinter und neben uns in der Schlange) mussten allerdings alle dran glauben.


Endlich auf der Fähre!! Wir hatten keine Kabine gebucht, also ließ die Entspannung noch auf sich warten. Das heißt, wir sind mit einem großen Koffer auf Rollen, an den Griff zwei Plastiktüten mit unseren dicken Schlafsäcken gehängt und eine andere Lidl Tüte mit aufgeblasenen Schwimmflügeln für die Kids. Das Boot hatte ja einen Pool, man muss alles mitnehmen was geht. Kost ja nix!!! Wir sind dann erst einmal wie so homeless people durchs Schiff gezogen und haben uns einen schönen Platz am Pool gesucht. Ein wenig peinlich war es schon! Am Pool saßen nur so gestylte Pärchen mit kleinen Handtäschchen und tranken ihre Drinks. Und dann kamen wir!!! Familie Flodder fand einen Platz unter der Treppe…da konnte man schön das Gepäck verstecken und sich selber mit den Stühlen und einem Tisch davor platzieren. Na, ab da sahen wir dann auch so aus wie alle anderen.

Wir haben den Tag am Pool und allgemein auf dem Boot genossen und unser Gepäck nicht mehr wegbewegt. Bier und Shandy schmeckten hervorragend und die Animation war auch zu ertragen. Vor allem, da der Animationschef die ganze Zeit unsere Kids umgarnte…sie bekamen immer schön von ihm alle Drinks umsonst!!! Toll…immer mitnehmen was geht!!! Wenn ich schon nichts mehr ausgegeben bekomme!

Ich habe mir alle vier Stunden Pillen gegen Seekrankheit reingezimmert (rein prophylaktisch)…demnach war ich ziemlich schnell angeduselt…sogar vom Shandy. Das war nett!

Am Abend gegen 22 Uhr bewegte sich dann Familie Flodder mit ihrem Gepäck zu ihren reservierten Stühlen (muss man sich wie im Flugzeug vorstellen). Wir richteten für die Kinder ein Bett zwischen den Stuhlreihen ein und hofften, dass sie auch vor lauter Erschöpfung einschlafen würden. Es klappte…Pepe war ein wenig überdreht, aber auch er schlief dann endlich, nachdem er uns eine Stunde lang in den Wahnsinn getrieben hatte, ein. Am nächsten Morgen, Andre und Ich lagen natürlich auch zwischen irgendwelche004-Bild_033n Stühlen, sind wir ein wenig verspannt vom harten Boden, von Pepe geweckt worden. Er war schon um 7 Uhr munter und Bosse ließ auch nicht lange auf sich warten. Gott sei Dank gab es in unmittelbarer Nähe auf dem Boot ein Indoor Spielplatz; so ein Ding wie bei Ikea!!! Für die Kinder toll!!! Über den ganzen Tag verteilt konnten wir zwischen dem Pool und dem Spielplatz wählen..sehr aufregend! Um 20 Uhr kamen wir dann endlich in Huelva an. Auf Dauer wird so eine Reise auf der Fähre doch recht langweilig und somit auch sehr anstrengend. Dazu kam natürlich auch noch unsere süße Hündin Hilde. Fast alle 4 bis 5 Stunden durfte Andre sie aus dem Käfig lassen und
auf den unteren Decks zwischen den Autos mit ihr Gassi gehen. Na, und da sie heiß war klebten alle Rüden an Andres Beinen, da ja nun mal alle zur gleichen Zeit Gassi gehen mussten.

Auf dem Festland angekommen klebten wir uns an die Fersen von so einem älteren Herren, den Andre auf der Fähre kennengelernt hat . Den Namen weiss ich leider nicht mehr…er zeigte uns den Weg zu dem nächsten Strand dörfchen, wo man angeblich im Bulli schlafen konnte. Andre allerdings erblickte dort als erstes die Schilder „Campen verboten; Strafe 300 Euro“!!! Daraufhin fuhr er einfach immer weiter und weiter. Plötzlich hielt er an und meinte, hier fahren wir runter an den Strand zum schlafen. Da hatte ich dann Panik in den Augen, da die Strasse ein Sandweg war mit tausend Schlaglöchern, außerdem standen dort zwei Schilder mit spanischer Aufschrift, die ich mir wie folgt übersetzte „ Zugang nur mit Fourwheeldrive“. Wir sind trotzdem runtergefahren und alles ist gut gegangen. Der Transit ist schon ein Geschoß!!!...und auch der Platz war perfekt!!

Direkt am Strand, neben einem Chiringuito und es hatten sich auch schon andere Camper dort breit gemacht. Als wir unsere Türen öffneten und alle raussprangen einschließlich Hilde, hatten wir ein neues Problem. Aus allen Löchern und Ecken kamen Rüden auf uns zugerannt und wollten sie beschnuppern007-Bild_065 und besteigen. Unser Glück, Hilde hatte kein Bock und bellte alle fleißig weg. Aber es gab so einige Rüden, da musste Andre ihr zu Hilfe kommen. Als dann endlich alle, einschließlich Hilde und die Meute an Hunde, mit Andre und den Jungs zum Strand gerannt sind habe ich mich durch unser Gepäck gekämpft und zum ersten mal unsere Betten im Bulli hergerichtet. Alle Koffer, Taschen und Tüten die nicht unter das eingebaute Bett oder den Sitzen passten, mussten vorne verstaut werden. Chaos läßt grüßen! Doch danach sahen unsere Betten soooo gemütlich aus…vor allem nach der Nacht auf der Fähre. Als die Jungs mit Hilde zurückkamen brauchte Andre erst einmal eine Tüte, nach dem ganzen Hundestress versteht sich. Diesmal würde ich sagen, gut für mich…anschließend hat er nämlich immer Hunger. So war es auch und er packte schön den Kocher aus und bratete Steaks, die wir vorher in dem kleinen Örtchen gekauft hatten. Die Jungs machte ich in der Zwischenzeit Bett fertig und gab ihnen auf der schnelle die ersten beiden Fleischstückchen mit Ketchup. Als sie dann endlich im Bett lagen und noch miteinander palaverten (aber im Bett), da konnte ich endlich entspannen …wir tranken eine Flasche Rotwein zu den Steaks und zu guter letzt zog ich auch ein paarmal an dem Joint. Danach hatte ich einen leichten Laberflash, dem Andre ein Ende setzte, indem er einfach ins Bett gehen wollte. Unglaublich, normalerweise bin ich diejenige, die als erstes ins Bett fällt!!! Das erstemal schlafen mit den Kids im Auto direkt am Strand mit Meeresrauschen und Blick auf den Nachtanglern war richtig schön!!! Zwischendurch hörte man ein Pärchen sich so richtig fetzen, aber zu viel Romantik ist ja auch nicht gut!!!!